Donnerstag 17. August 2017
Presseinformation | Do., 15. Juni 2017

»Im Streben nach Lebenssinn liegt die Suche nach einer anderen Art des Wirtschaftens«

Gestern Abend diskutierte Josef Scheinast, Landessprecher der Grünen Wirtschaft, mit der Sinnforscherin Dr. Tatjana Schnell im WIFI Salzburg darüber, was Sinn im Leben und in der Arbeit schafft. Nimmt man die Frage ernst, bedeutet dies einen Paradigmenwechsel in der Wirtschaft, denn das Motto »schneller, weiter, höher« geht an den innersten Bedürfnissen des Menschen vorbei. Scheinast: »Sinnerleben hängt von Kriterien ab, die nicht von einem Prinzip des Maximierens befriedigt werden können.«

 

Über den Sinn des Lebens konnte auch dieser Abend keinen Aufschluss geben, was jedoch Sinn im Leben schafft, darüber gibt es heute viele empirische Erkenntnisse. Aufschlussreich ist die Bedeutung des Begriffs »Sinn«. Ursprünglich bedeutete dieses Wort Gang, Reise, Weg. Einen Sinn zu finden, erklärte Tatjana Schnell, Assistenzprofessorin an der Uni Innsbruck, bedeutet, dass wir für uns einen Weg gefunden haben. Sinn ist nicht festgeschrieben, sondern dynamisch, weil sich die Quellen des Sinns im Laufe des Lebens immer wieder ändern. Sinn ist nicht etwas, das wir finden. Sinn entsteht aus der Bedeutung, die wir einer Sache, einer Handlung oder einem Ereignis beilegen.

 

Nehmen wir unser Leben als sinnvoll wahr, so beziehen wir uns bewusst oder unbewusst auf vier wesentliche Kriterien, die darüber entscheiden: 1) Orientierung. Wir verfügen in unserem Leben über einen Kompass, der uns dabei unterstützt, geeignete Ziele zu finden und zu verfolgen. 2) Kohärenz. Sie steht für die Wahrnehmung, dass wir in verschiedenen Lebensbereichen »stimmig« leben und sich diese idealerweise nicht widersprechen. 3) Bedeutsamkeit. Unsere Handlungen und Entscheidungen sind wirksam und bedeutsam. 4) Zugehörigkeit. Wir sind eingebunden in ein größeres Ganzes, wir haben einen Platz in der Welt und spielen eine Rolle.

 

Erleben wir in Bezug auf diese Kriterien Resonanzerfahrungen, bewegen wir uns auf einem stabilen Boden, der uns trägt. Dies lässt sich, so Schnell, auch auf unser Arbeitsleben anwenden. Sinn erfahren wir, wenn wir etwas tun, das eine Bedeutung für andere hat; wenn wir uns mit der Vision und den Werten eines Unternehmens in Einklang erleben; wenn wir uns in einem Unternehmen eingebunden und gesehen fühlen; und wenn wir das, was wir tun müssen, für wichtig halten und dabei weder überfordert noch unterfordert sind. In vielen Studien hat sich gezeigt: Wer seine Arbeit als sinnvoll erlebt, verfügt auch über ein hohes Arbeitsengagement. Diese Korrelation zeigt für  Scheinast, dass das Streben nach Sinnerfahrungen nicht von einem Prinzip des Immer Mehr befriedigt werden kann. »Wohlstand definiert sich nicht allein durch Geld und Konsum, sondern hat viel damit zu tun, ob man sein Leben als sinnvoll erfährt oder als entfremdet, d.h. als ferngesteuert, bedeutungs- und beziehungslos. Die Frage nach einem sinnvollem Leben ist damit eng mit der Herausforderung verbunden, wie wir innerhalb der ökologischen Grenzen unserer Welt auf andere Weise miteinander leben und arbeiten können.«

Josef Scheinast | © Joachim Bergauer
Josef Scheinast

Landessprecher der Grünen Wirtschaft Salzburg

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