Mittwoch 22. August 2018
Grätzel-Werk-Stadt No 4

Trag deinen Wald

Von der Esche zur Wäsche

MaxdataDie meisten Menschen wünschen sich einen Wald, in dem sie sich wohlfühlen. Das ist kein Urwald, sondern ein bewirtschafteter so genannter »Dauerwald«, der sich durch eine besondere Durchmischung von alten, mittelalten und jungen Bäumen auszeichnet und sehr resistent und gesund ist. Dieser verlangt intensive Pflege und Bewirtschaftung. In so einem Wald fällt man alle fünf bis sieben Jahre sieben bis acht große Bäume pro Hektar. Dies nennt man »Durchforstung«.

Das Holz wird verwertet, und zwar in drei Varianten:

1.) Die »Bloche« ist das gesunde Holz des Stammes, es kommt ins Sägewerk. Der Idealfall wäre, wenn es vor Ort verwertet werden kann – d.h. ein Tisch oder ein Wandverbau ist aus Holz, das in der Umgebung geschlägert wurde. Das ist leider selten der Fall.

2.) Das »Faserholz« kommt Großteils nach Lenzing, wo es zu sehr hochwertigen Fasermaterialien verarbeitet wird, z.B. Viskose. Diese Fasern werden im Idealfall auch dort verarbeitet, woher das Holz stammt – also in Wien, wenn es im Wienerwald geschlägert wurde.

3.) Das »Hackgut« ist der Rest aus Ästen und wird Großteils verbrannt, z.B. für Fernwärmeerzeugung. Auch das passiert in Wien.

 

Momentan leidet der Wienerwald leider unter dem »Weißstengelbecherchen«, einem Pilz, der aus Asien eingeschleppt wurde, und der alle bisher untersuchten Eschen befallen hat. Diese müssen leider gefällt werden. Die Suche nach resistenten Samen bzw. Trieblingen ist im Gange, bisher leider erfolglos. Die Experten hoffen dadurch einen neuen Eschenbestand aufziehen zu können. Doch auch das befallene Holz wird verwertet und in speziellen Betrieben werden die daraus erzeugten Textilien zu hochwertiger Kleidung, Bezugsstoffen und vielem mehr verarbeitet.

Mit einem neuen Projekt, in Kooperation mit der Firma Lenzing und Linz Textil, startet derzeit die A&M Kreativfabrik GmbH. Unter dem Label AustroTEX werden nachhaltige Werbetaschen aus Viscosefasern gefertigt, die aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz in Österreich hergestellt wird. Durch den cellulosischen Ursprung ist Viscose natürlich botanisch, nimmt Feuchtigkeit gut auf und fühlt sich angenehm weich an.

Da die nachwachsenden Rohstoffe aus Europa stammen und klimaneutral verarbeitet werden, ist der ökologische Fußabdruck im Gegensatz zur Baumwoll-Produktion wesentlich kleiner. Die AustroTEX-Taschen schauen ähnlich aus wie Baumwolle und können – genau wie bisher die Baumwolltaschen – individuell mit Firmenlogos und Bildern bedruckt werden. Die Weiterverarbeitung (Bedrucken und Nähen) erfolgt in Sozialbetrieben in Österreich.

Wertvolle Nachhaltigkeit: Nicht nur Qualität wird bei der Produktion der AustroTEX-Taschen großgeschrieben, auch Umweltschutz und Nachhaltigkeit spielen eine große Rolle. So werden viele Chemikalien und Nebenerzeugnisse, die beim Herstellungsprozess anfallen, als wertvolle Produkte wiederverwendet und weiterverkauft. Ein Beispiel ist die abfallende Xylose, die als Süßstoff in der Lebensmittelindustrie verwendet wird. Die Bäume aus dem »Grätzel« Wienerwald, werden also bis zum letzten Blatt verwertet. Sie kommen, im Besten Fall in Form von nachhaltig produzierten Taschen, wieder ins Grätzel zurück.

Mehr Infos zu den Taschen gibt es hier.

Hans Arsenovic | © Christian Anderl
Hans Arsenovic

Regionalsprecher der Grünen Wirtschaft Wien

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